Der Curse of Knowledge
Tamara ist, wie viele vor ihr, dem Curse of Knowledge aufgesessen, dem Fluch des Wissens.
Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, dass das, was in unserem Kopf ist, auch unserem Gegenüber bekannt ist. Seien es Kenntnisse, Erfahrungen oder Erlebnisse.
Die Doktorandin Elisabeth Newton hat dies im Jahre 1990 in einem Experiment an der Standford University eindrucksvoll bewiesen. Das Experiment ist im Netz unter der Bezeichnung „tappers and listeners“ zu finden, und wird auch im Buch „Made to stick“ von den Brüdern Chip und Dan Heath beschrieben.
Tappers and Listeners – das Experiment
Bei diesem Experiment wurden die Teilnehmer:innen in zwei Gruppen eingeteilt: die „Tappers“, also jene, die die Aufgabe hatten, nacheinander den Takt von 25 sehr bekannten Liedern zu klopfen. Und die „Listeners“, also jene, die diese Lieder erraten sollten.
Vor Beginn wurden die „Tappers“ nach ihrer Schätzung gefragt. Wie viele Lieder würden die anderen erraten? Die Schätzungen lagen im Schnitt bei einer Trefferquote von 50%.
Nach Abschluss des Experiments wurde Bilanz gezogen – und die wahre Trefferquote lag bei heißen 2,5%. Von 40 Liedern wurde also nur jeweils eines erraten.
Wie kommt es zu dieser enormen Diskrepanz? Wir hören das Lied im Kopf spielen, während wir klopfen. Und vergessen völlig darauf, dass die anderen dies nicht hören.
In unserem Lehrgang zum Thema „Ghostwriting als Beruf“ machen wir diese Übung mit allen Teilnehmer:innen. Einfach, um sie am eigenen Leib spüren zu lassen, wie es sich anfühlt, nicht verstanden zu werden – oder, im Umkehrschluss, nicht zu verstehen, was der andere von uns will.
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Als Autor:innen fallen wir leicht in die Falle der „Tapper“. Wir schreiben etwas, das für uns sonnenklar ist, die Leser:innen verstehen jedoch nur Bahnhof. Möglicherweise kennst du diese Situation auch aus dem Berufsalltag: Du schulst jemand Neuen ein und nach Abschluss deiner Anleitung passiert – nichts. Oder etwas total anderes, als du angewiesen hast. Das ist für beide Seiten frustrierend.