Heute schon erwachsen gewesen?
„Ja“, höre ich dich murmeln. „Nichts anderes als das“.
Hm – hast du Erfolg damit? Und vor allem: Bist du glücklich?
Ich habe beides probiert. Nach vielen Jahren in der „Sandkiste“ und einem Job, der mir das Spielen und Kindischsein erlaubt hat, habe ich vor etlichen Jahren einen ziemlich unerwarteten Karrieresprung gemacht: in die Marketingabteilung einer großen Datenbankfirma.
Natürlich wollte ich mich beweisen. Meine neuen Kolleg:innen sollten sehen, dass ich es wert bin, diesen Aufstieg zu machen, dass ich mich anpassen kann. Dass ich sein kann wie sie. Und dass ich besser und mehr arbeiten kann als so manch andere.
Also habe ich meine Cargohosen, die bunten Turnschuhe und die bauchfreien T-Shirts in die Lade gelegt, ganz nach unten.
Und habe die dezenten Strickwesterln raus geholt, die braven Leinenhosen, die seriösen Schuhe.
Und ich habe mich gründlich verbogen. Meine Tattoos habe ich verdeckt, meine wilden Haare in einen braven Pferdeschwanz gebunden und ich habe aufgehört, so laut zu lachen – das ist in einem Großraumbüro eher unpassend, oder?
Gearbeitet habe ich wie eine Böse, zuerst 25 Stunden, dann 40, irgendwann dann wieder nur noch 25. Dabei habe ich allerdings vergessen, das Arbeitspensum auch wieder zu reduzieren.
Nach zwei Jahren Verstellen und Verbiegen hatte ich nicht nur Rückenschmerzen, sondern auch das dringende Bedürfnis, wieder unbedeutend zu sein. Ein Niemand, der in Cargohosen rumrennt, die Stadt auf dem Mountainbike erkundet oder einfach manchmal eine Stunde an der Donau sitzt, mit den Füßen im kalten Wasser und die Brombeeren direkt vom Gebüsch isst.