Ich fühle was du schreibst – ich schreibe was du fühlst

Schreiben für alle Sinne

Manche Bücher – egal, ob Sachbücher oder Belletristik – ziehen uns in ihren Bann, von der ersten Seite an. Andere wiederum, obwohl sie wirklich gut geschrieben sind, lassen uns kalt. Sie haben keine Sogwirkung. Woran liegt das?

Lerntraining als Augenöffner

Als typischer „Bunter Vogel“ und Ausbildungsjunkie besuche ich derzeit einen Lehrgang für Lerntraining bei der Meisterin: Hanna Fiedler selbst leitet die kleine Gruppe von künftigen Lerntrainern und Lerntrainerinnen, die nach ihrer Diplomprüfung Schüler und Schülerinnen, Studenten und Studentinnen dabei unterstützen werden, effizienter zu lernen.

Und im Zuge dieser Ausbildung habe ich schon einiges gelernt, das auch für den Bereich des Schreibens, des Textens und des Content Managements von großer Bedeutung ist. Es geht – kurz und einfach gesagt – um die inneren Verarbeitungsfilter.

Nichts Neues? Doch!

Und bevor Sie jetzt sagen: „Jaja, alles schon gehört!“, lesen Sie bitte weiter und – wenn Sie wirklich profitieren möchten – halten Sie bis zum Schluss durch.

Denn wir sprechen hier nicht davon, dass wir alle Sinne ansprechen sollten, im Sinne von Sehen, Hören, Riechen Schmecken …, sondern darum, wie und auf welchen Kanälen Menschen das Gelesene verarbeiten.

Lesen mit allen Sinnen

Den meisten von uns sind die Sinneskanäle (VAKOG) ein Begriff. VAKOG steht für

  • visuell (in Bildern)
  • auditiv (in Tönen)
  • kinästhetisch (spürend und fühlend, bzw. bewegend)
  • olfaktorisch (mit Geruch)
  • gustatorisch (mit Geschmack)

Das sind jene Kanäle, über die wir kommunizieren und wahrnehmen. Es heißt immer, wir haben eine visuelle Welt. Das heißt aber nicht, dass jeder optische Reiz als Bild verarbeitet werden muss. Es kann auch sein, dass jemand sich den Inhalt des Aufgenommenen selbst erzählt oder es über einen der anderen Kanäle bearbeitet.

“Zappen” beim Schreiben

Je expliziter wir darauf schauen, dass unsere eigenen Kanäle im Zuge einer Kommunikation angesprochen werden, je genauer unser Geschmack getroffen wird, desto leichter tun wir uns dabei, das Gesagte oder Geschriebene aufzunehmen.

Die Kunst des Schreibens ist es nun, nicht nur auf unserem eigenen Kanal zu bleiben – und damit einem großen Teil unserer potenziellen Leserschaft die Lektüre schwer zu machen – sondern alle Kanäle immer wieder einmal anzusprechen, damit wir auch richtig verstanden werden. Zappen, sozusagen.
Ich höre Sie schon stöhnen: Noch eine Herausforderung, noch etwas, auf das ich beim Schreiben mein Augenmerk legen soll?
Ja, das sollen Sie, auch wenn es Ihnen nicht unter die Nase geht. (Haben Sie gelesen, was ich da gerade gemacht habe?)

Harry Potter als Vorbild

Nehmen Sie als Beispiel Harry Potter: J.K. Rowling hat es geschafft, in ihren Werken VAKOG im Sinne der inneren Verarbeitungsfilter in so gut wie jedem Kapitel anzusprechen. Das ist auch einer der Gründe, warum sich ihre Bücher um ein Vielfaches besser verkauft haben – und vor allem auch wesentlich öfter gelesen wurden! – als die meisten anderen ihrer Art.

Es gibt in der Tat unzählige Fantasygeschichten, deren Inhalt sich von den Harry Potter-Büchern nicht wirklich krass unterscheidet, nach denen aber kein Hahn kräht.

Ein Plädoyer für die Vielfalt

Aus dem Lerntraining wissen wir, dass es neben VAKOG auch noch weitere innere Verarbeitungsfilter gibt. Diese setzen sich bei jedem Menschen individuell zusammen, und sie stellen einen wesentlichen Faktor dar, wie leicht und gut wir etwas aufnehmen.

Mithilfe von Tests können Sie schnell feststellen, wie Sie selbst ticken. Doch wenn Sie Bücher schreiben wollen, die bei der Leserschaft ankommen, ist es nötig, sich auch hier breit aufzustellen. Zu diesen inneren Verarbeitungsfiltern gehören viele Parameter, über die wir die Welt wahrnehmen, wie zum Beispiel: Sehen wir die Welt lieber im Überblick oder im Detail? Oder wie hoch ist unsere Fähigkeit, visuell zu differenzieren? Sind wir eher Regel-Menschen oder lieber im Bereich der Möglichkeiten zu Hause?

Detailverliebt oder Überblicksmensch?

Wenn jemand den Inhalt eines Sachbuches (siehe Blinkist) oder auch eines Romans zusammenfasst, dann spricht das eher die Überblick-Menschen an. Im Unterschied dazu gibt es diejenigen, die mehr Detailwissen haben möchten, also das Thema eines Buches in kleinsten Feinheiten erklärt brauchen.

Gerade, aber nicht nur bei Sachbüchern ist es von großer Bedeutung, sich dieser verschiedenen Verarbeitungsmechanismen bewusst zu sein und allfällige Schwerpunkte auch zu kommunizieren. Nur so können Sie Ihre Leser auch zufriedenstellen.

Wer schwerpunktmäßig Ihre Zielgruppe sein wird, sollten Sie vorher entscheiden, jedoch – wie gesagt – auch darauf achten, dass Sie den Rest der Welt nicht völlig außen vorlassen.

Danach gilt es, diesen Schwerpunkt im Klappentext anzusprechen (Beispiel: „Dieses Buch verschafft Ihnen einen guten Überblick über …“ vs: „In diesem Buch finden Sie detaillierte Anleitungen zum …“). Wichtig ist es allerdings, die Versprechen, die Sie im Klappentext, im Metatext oder in den Keywords Ihres Buches geben, auch einzuhalten – andernfalls werden Sie eine ganze Menge unzufriedener Leser und Leserinnen habe, die sich auf eine ihnen selbst oft gar nicht bewusste Art betrogen fühlen, um es harsch auszudrücken.

Denn einerseits können Sie Ihre detailverliebte Leserschaft enttäuschen, wenn Sie eine minuziöse Beschreibung versprechen und sich dann in einer Übersicht ergehen, weil das Format des Buches nicht mehr hergibt.

Andererseits werden diejenigen, die eine übersichtliche Zusammenfassung Ihres Themas suchen, schon vom Klappentext abgeschreckt, der ihnen mit einer peniblen Thementiefe droht, die überhaupt nicht ihrem Naturell entspricht.

Regelgerecht oder offen für Möglichkeiten?

Auch das ist eines der vielen unterschiedlichen Verarbeitungsprogramme:

Es gibt Menschen, die brauchen:

  • eine besonders klare Struktur
  • Aufzählungspunkte (Bullet Points)
  • ein sehr geordnetes Inhaltsverzeichnis
  • eine farbliche Unterteilung.

Andere hingegen mögen es, wenn sie auch querlesen können, sich nur die Infoboxen raussuchen oder “Orakel“ spielen mit dem Buch, indem sie es auf einer beliebigen Seite aufschlagen und dort zu lesen beginnen.

Vielleicht wollen sie an einem Tag auch nur gut unterhalten werden und sich die Stories raussuchen und an einem anderen Tag damit arbeiten, indem sie die Informationen herausklauben. Das alles sollte ein Buch können. Eines der schönsten Komplimente, die ich je bekommen habe, war das: „Unser Buch hat das alles – man kann es so oder so lesen, es deckt alle Bedürfnisse aus der Sicht der inneren Verarbeitungsprogramme ab! Gut gemacht!“

Dieses Kompliment kam von Hanna Fiedler und es bezieht sich auf ihr neues Werk „Unser Leben zu dritt – Er, die Demenz und ich“, das ich begleiten und designen durfte und das im Mai 2019 fertig geworden ist.

Und wie finde ich den richtigen Stil für mein Buch?

Ja, das ist die Frage! Die Antwort ist simpel, aber nicht einfach. Bleiben Sie sich selbst treu, aber vergessen Sie nicht, für wen Sie das Buch schreiben.

Man sagt immer, der Wurm solle dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

Ja, mag sein. Andererseits müssen Sie mit dem Wurm leben, er repräsentiert Sie und Ihr Tun. Wenn also Ihr Buch nicht zu Ihnen passt, dann haben Sie viel Zeit und Mühe, vielleicht auch viel Geld umsonst verbraucht. Und das sollte nicht der Sinn und Zweck des Ganzen sein.

Also: Bleiben Sie sich selbst treu, bleiben Sie bei Ihrem Stil, aber denken Sie manchmal auch daran, dass nicht jeder Mensch alles auf die gleiche Art verarbeitet wie Sie.

Natürlich sprechen Sie ohnehin Menschen an, die auf die eine oder andere Art genauso „ticken“ wie Sie – glücklicherweise!

Das gilt übrigens auch für mich. Hat Sie dieser Artikel angesprochen? Sehr gut, dann könnte ich tatsächlich die Richtige für Sie sein, wenn Sie einmal schreiben lassen möchten.

Fühlen Sie sich von meinem Stil eher nicht so entflammt? Dann sollten Sie Ihre Fühler eher anderswo ausstrecken. Auch das ist gut und hat seine Berechtigung.

Wenn Sie mehr über die inneren Verarbeitungsprogramme erfahren und lernen möchten, wie Sie sie für Ihren eigenen Erfolg nutzen können, dann lege ich Ihnen einen Termin mit Hanna Fiedler dringend ans Herz. Sie können sie im Einzelsetting oder für Workshops buchen.

Ihre Lisa Keskin

Sie haben diesen Artikel mit Interesse gelesen, wissen aber nicht so recht, wie Sie Ihr Buch umsetzen sollen? Kontaktieren Sie mich – gemeinsam finden wir den richtigen Weg für Sie! 

Lisa Keskin_Ghostwriter

Lisa Keskin ist Ghostwriter und unterstützt hauptsächlich Speaker, Coaches und Beraterinnen dabei, ihr eigenes Buch zu schreiben und auf den Markt zu bringen. Ihre Hauptexpertise liegt darin, Bücher und Blogartikel in der Sprache der Auftraggeber zu schreiben und so zu einem authentischen Werk – wie aus Ihrer eigenen Feder – zu machen.