Wie viele Zeichen hat eine grafisch gestaltete Buchseite?
Ha! Jetzt wird es richtig schwierig! Du siehst schon auf Abbildung, dass sich die Zeichenanzahl rapide verringert, wenn man nur mehr Weißraum einfügt. Hat man dann auch noch Grafiken etc., braucht man umso weniger Buchstaben.
Eine Teilnehmerin unseres Lehrgangs meinte einmal, das sei unfairer Wettbewerb und so etwas wie „Zeit schinden, nur auf Seiten umgelegt, also Seiten schinden“. Ich sehe das nicht so.
Gehirngerecht
Um einen Text gehirngerecht aufzubereiten, braucht das Auge (und damit das Gehirn) Platz zum Rasten, es soll nicht unerbittlich durch den Text geprügelt werden, sondern darf auch einmal innehalten und durchatmen. Außerdem gibt es für viele Menschen kaum ein größeres Erfolgserlebnis als eine Seite umzublättern, und wenn diese Seiten dann in Mini-8-Punktschrift vollgekritzelt sind und noch dazu weder Abstände noch Weißraum aufweisen, dann ermüdet nicht nur das Auge, sondern auch der Geist, von der moralischen Komponente ganz zu schweigen. Weißt du, wie zäh das ist, an einer einzigen Seite eine Ewigkeit zu lesen – und dann noch 250 davon vor sich zu haben? So spannend kann das Thema gar nicht sein, dass der durchschnittliche Mensch das durchhält!
Und aus durchschnittlichen Menschen setzt sich meist unsere Zielgruppe zusammen, und nicht aus verkappten Genies!
Links siehst du zwei Beispiele aus einem meiner Bücher: Das Leben kann Spuren von Fett enthalten. Die Seite mit Monis Mental-Tipp enthält auf einer Größe von 170/170 mm 554, die Seite mit dem Text 2291 Zeichen inkl. Leerzeichen.
Derart gestaltete Seiten haben absolut eine Existenzberechtigung in einem Buch – solange sie nicht überhandnehmen. Und natürlich hängt es immer von Zielgruppe und Autor:in ab, wie viel Grafisch-Verspieltes Platz finden darf und soll.