Du bist Expertin, Coach oder Berater und spielst mit dem Gedanken, dein Wissen in Buchform zu bringen. Und schon taucht sie auf, diese eine Frage:
Ein Sachbuch oder doch lieber eine Biografie?
Meine Antwort darauf ist fast immer dieselbe: Es kommt darauf an. Aber nicht auf das Genre. Sondern auf dein Ziel.
Die wirklich entscheidenden Fragen lauten:
- Was möchte ich mit diesem Buch erreichen?
- Und vor allem: Wen möchte ich damit erreichen?
Im beruflichen Kontext empfehle ich nur sehr selten eine reine Biografie. Außer das Leben der Autorin oder des Autors ist tatsächlich außergewöhnlich, im Sinne von außergewöhnlich relevant für andere. Und ja, ich weiß, jedes Leben ist einzigartig. Das ist unbestritten. Aber darum geht es hier nicht.
Es geht um den Mehrwert für die Leserinnen und Leser.
- Was nehmen sie aus dem Buch mit?
- Was haben sie konkret davon?
So ehrlich muss man sein: Wenn jemand aus einem Buch nichts Neues, nichts Relevantes, nichts für das eigene Leben oder Arbeiten mitnimmt, wird es früher oder später zur Seite gelegt. Und endet als weiteres Fossil auf dem großen Stapel ungelesener Bücher. Das ist wahrscheinlich das Schlimmste, das einem Buch passieren kann. Und ganz sicher nicht das, was dein Buch verdient.
Deshalb ist es sinnvoll, eine Biografie mit Substanz zu versehen. Idealerweise mit etwas, das dich auch in deinem beruflichen Werdegang unterstützt.
Eine Sachbuch-Biografie
Ein Beispiel:
Du arbeitest als Coach im Bereich Resilienz. Dein Leben war geprägt von Höhen und Tiefen, von Krisen, Brüchen und Herausforderungen. Du hast viel erlebt und viel durchgestanden. Das ist der biografische Teil.
Die entscheidende Frage lautet aber: Wie hast du es geschafft?
Und noch wichtiger: Wie kann jemand, der dein Buch liest, daraus etwas für sich mitnehmen?
Genau hier kommt deine Expertise ins Spiel.
- Wie geht man mit Rückschlägen um?
- Wie lernt man, die eigenen Aufs und Abs zu meistern?
- Wie findet man Stabilität im eigenen Leben?
Wenn du diesen Bogen spannst, verbindest du dein Leben mit deinem Business. Deine Geschichte wird zum Beispiel, dein Wissen dient als Orientierung.
Das gilt übrigens für viele Bereiche. Auch als Verkaufstrainer kannst du biografisch schreiben. Dann liegt der Fokus eben darauf, wie du das Verkaufen gelernt hast. Vielleicht hast du als Kind Zeitungen ausgetragen, Limonade verkauft oder die Barbiepuppen deiner Schwester verscherbelt. Das sind Geschichten, die bleiben. Nicht, weil sie spektakulär sind, sondern weil sie Bilder im Kopf erzeugen.
Das heißt nicht, dass du andere Aspekte deines Lebens ausklammern musst. Aber wenn dein beruflicher Schwerpunkt klar ist, sollte er sich auch im Buch widerspiegeln. So wird aus einer Biografie ein starkes Business-Tool.
Das Sachbuch mit biografischem Charakter
Drehen wir den Spieß nun um.
Du möchtest ein Sachbuch schreiben, das einen persönlichen Touch hat. Dazu rate ich dir ausdrücklich. Denn ein Sachbuch ist nicht nur ein Wissensspeicher. Es ist auch eine Bühne für deine Persönlichkeit.
Genau dadurch finden dich jene Kundinnen und Kunden, die wirklich zu dir passen. Menschen, mit denen Zusammenarbeit Freude macht. Mit denen du groovst.
Angenommen, du bist Unternehmensberaterin und arbeitest sehr ganzheitlich. Dann kannst du in deinem Buch nicht nur Methoden und Modelle vorstellen, sondern auch deine eigenen Erfahrungen einfließen lassen. Deine Ausbildung. Das, was dich geprägt hat. Das, was dir gefallen hat. Und auch das, was nicht funktioniert hat.
- Welche Fehler hast du gemacht?
- Welche grandiosen Hoppalas sind dir passiert?
Ja, auch die Hoppalas gehören dazu. Denn wenn du nur die Heldin sein willst, wirst du unglaubwürdig. Und meistens auch unsympathisch. Kleine Schwächen schaffen Nähe. Und Vertrauen.
So verbindest du fachliche Inhalte mit biografischen Elementen. Du baust Beziehung auf und erzeugst Spannung. Ohne dich zu verbiegen.
Je nachdem, wo du den Schwerpunkt setzt, entsteht entweder ein Sachbuch mit biografischem Anteil oder eine Biografie mit Sachbuchanteil. Beides ist möglich. Beides kann sehr gut funktionieren.
„Nur“ ein Sachbuch
Natürlich kannst du auch ein reines Sachbuch schreiben und mit Geschichten aus deiner Praxis arbeiten. Hier bitte mit Feingefühl: Nicht alles, was man erlebt hat, gehört auch in ein Buch. Und nicht jede Geschichte darf erzählt werden. Alternativ bieten sich hier fiktive Fallbeispiele an.
… oder eben „nur“ eine Biografie
Und wenn es dein Ziel nicht ist, dein Business zu unterstützen, sondern einfach deine Geschichte zu erzählen, dann darf es auch eine reine Biografie sein. Das ist völlig legitim. Man sollte sich nur bewusst sein, dass Biografien von nicht sehr bekannten Menschen eher selten gekauft werden.
Das ist dann ein Buch für die Familie. Für das eigene Umfeld. Für Menschen, die dich kennen und schätzen.
Ein Bestseller wird es wahrscheinlich nicht.
Oder, wie ich gern sage: kein Best Seller.
Aber vielleicht genau das richtige Buch für dich.






















