EINMAL QUER DURCH DEN KAKAO

Kennst du das? Du triffst dich mit einer Bekannten auf einen Kaffee und wenn ihr eine Dreiviertelstunde später wieder auseinandergeht, hat sie dich um die 20-mal beleidigt und ist dir wenigstens dreimal auf die Zehen gestiegen.

Du wärst mit so einer Person nicht befreundet, meinst du?
Einer, die so gemein ist?
Tja, das ist die Frage.
Ist sie gemein – oder fehlt ihr einfach der Filter?

IN YOUR FACE, BITCH!

Es gibt Menschen – ein bekanntes Beispiel ist Sheldon aus der Serie „Big Bang Theory“–, denen fehlt etwas. Eben besagter Filter zwischen Hirn und Mund. Also kommt alles ungefiltert und meistens unbedacht aus ihnen rausgeschossen. Mitten in dein Gesicht.
In your face, bitch! Nur eben ohne böse Absicht.

AUTHENTIZITÄT VERSUS EMPATHIE

Ja, werden nun manche sagen, „… aber du sagst ja immer, ich soll authentisch sein!“
Stimmt.

Authentizität hört allerdings dort auf, wo sie auf Kosten der anderen geht. Wenn du die Grenzen anderer verletzt, ihnen im negativen Sinne unter die Haut gehst, dann bist du nicht authentisch, sondern ein Riesena…!

Und ja, auch ich schaffe es immer wieder mal, jemanden zu verletzen, weil ich meine verdammte Klappe nicht halten kann oder witzig sein will. Und manchmal gehöre ich zu den Menschen, die ihre eigene Großmutter für einen gelungenen Witz verkaufen würden – was in meinem Fall nicht tragisch wäre, da meine Großmutter und meine Oma schon vor langer, langer Zeit sicher in ihrem Abteil im Himmel eingecheckt haben.

FETTNÄPFCHEN-RALLYE

Dennoch habe ich das Gefühl, dass es da etwas gibt, das uns „Normalos“ von denen trennt, die so absolut filterbefreit durch die Gegend rennen. Denn uns wird es meistens irgendwann, und sei es (auch das ist ein Beispiel aus meinen eigenen Leben) Jahre später bewusst, dass wir massiv danebengehaut haben. Für eine Entschuldigung ist es dann meist zu spät. Aber vielleicht achten wir das nächste Mal darauf, dass uns so ein Ausrutscher nicht wieder passiert – es gibt ja noch genug andere Fettnäpfchen, in die wir uns stürzen können!

AUSRUTSCHER

Die Ausrutscher – verbal wie auch physisch (im Sinne von rumpeldipumpel die Stiege runter) – sind ja Teil meiner Markenidentität, doch mittlerweile versuche ich, hauptsächlich mich selbst auf die berühmt-berüchtigte Schaufel zu nehmen. Dann ist es auch für andere leichter zu nehmen, wenn sie versehentlich neben mir im Kakao landen.
Glaube ich.
Hoffe ich.

LIEBEVOLL FÄKAL

Ich liebe Menschen. Im Großen und Ganzen. Und ich liebe meine Kund:innen.
Trotzdem passiert mir auch dort hin und wieder ein Fauxpas.

Wenn man mich kennt, dann weiß man, dass Fäkalsprache bei mir sehr locker auf der Zunge sitzt (nimm dieses Bild aus meinem Kopf!!!).
Das werde ich auch nicht ändern.
Verletzen möchte ich damit jedoch niemanden.
Never ever.

… ABER ICH SAG JA NUR …

„Aber ich sag ja nur, dass… “ Was nachher kommt, kannst du beliebig einsetzen. Dass es etwas ist, das du nicht hören willst und dir auch nicht sagen lassen musst, davon kannst du fast sicher ausgehen.
Und ja – auch „gewaltfreie Kommunikation“ kann wehtun. Überhaupt, wenn sie instrumentalisiert wird.
Was ich damit meine?

Einerseits jene, die uns „wertschätzend“ und durch die Blume mitteilen, dass sie uns scheiße finden.
Andererseits jene, die überzeugt sind, dass man mit „gewaltfreier Kommunikation“ alles sagen kann und darf.

Breaking News: Manchmal ist ein wirklich in aller Liebe gesprochenes unangenehmes Wort weniger Autsch als ein „mimimi“. Und manchmal kann man auch einfach die Klappe halten. ;-)))

UNSERE ZEHEN GEHÖREN UNS!

Nach dieser Nabelschau nun aber nochmals zurück zu den besagten Bekannten, die auf unserem Schlips oder unseren Zehen schon ihren Meldezettel ausgefüllt haben.

Wenn es jemand trotz mehrmaliger Hinweise nicht checkt, dass dein Schlips und deine Zehen nur so strotzen von seinen oder ihren Fußabdrücken, dann ist es möglicherweise an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen. Denn als Fußabtreter solltest du dir zu schade sein – egal, welche Qualitäten dieser Mensch sonst noch mitbringt!

BESSER NOTBREMSE ALS LEIDEN

In diesem Sinne ist es vielleicht manchmal sinnvoll, die Notbremse zu ziehen, bevor es wirklich kracht! Also: Schau auf dich, hör auf deinen Bauch und wenn du das Gefühl hast, dass es mit jemandem nicht geht – beruflich oder privat – dann denk dran, dass es auch ohne ihn oder sie geht. Und meistens sogar besser. :-)

WAS HAT DAS JETZT MIT DEINEM BUCH ZU TUN?

Vielleicht fragst du dich, was das alles mit deinem Buch zu tun hat.
Ganz viel, sag ich dir!
Denn auch und gerade beim Schreiben ist die Grenze zwischen Originalität und Authentizität auf der einen und Grausamkeit oder Beleidigung auf der anderen Seite oft ein feiner Grat.

Nur dann ist es umso schlimmer!

WAS LIEGT, DAS PICKT

Das ist eigentlich ein geflügeltes Wort aus dem Kartenspiel und bedeutet: Was du einmal aus der Hand gegeben hast, ist nicht mehr deins. Und du kannst es auch nicht zurücknehmen. Es „pickt“ (klebt) also auf dem Tisch.
Genau so ist es mit deinem Buch: Was du geschrieben hast, was gedruckt ist, das lässt sich nicht mehr zurücknehmen.

Vielen meiner Kund:innen wird das kurz vor der Veröffentlichung so richtig klar. „Ups, das lesen auch andere!“

Oft geht es dann sogar ins andere Extrem: Kann ich das sagen? Darf ich das sagen?

Was bei den einen nur kalte Füße sind – ganz normal vor einer Veröffentlichung! – ist bei anderen eine kluge Weitsicht. Denn so sehr wir bei einem Buch bei uns bleiben sollten, was Sprache, Stil und Inhalte betrifft, so sehr heißt es auch aufpassen, was wir da rausschießen – und wen wir damit treffen.

Wenn du „nur“ kalte Füße hast, empfehle ich dir einen Workshop oder Einzelstunden bei der genialen Monika Lexa, die hierfür ein eigenes Programm entworfen und damit schon vielen Autor:innen ihre Ängste genommen hat.

Wenn es die Angst ist, doch danebenzuhauen (zur Info: Die, die wirklich dazu neigen, haben meist gar nicht die Umsicht, darüber nachzudenken), dann komm zu einem Evaluierungsgespräch zu mir und wir schauen, wie „schlimm“ es wirklich ist.
Oder lass uns gleich im Vorfeld plaudern – das kann dir viele schlaflose Nächte ersparen.

Oder du verlässt dich auf dein Buchgefühl: Ist es zu viel? Verbiege ich mich? Oder bin ich richtig, genau wie ich bin?

Wie auch immer: Ich wünsch dir freudvolles Schreiben!