Zielgruppe: ALLE

„Also, mein Buch soll JEDER lesen! Deswegen schreib ich es auch für ALLE!“
Super Ansatz.

Aber leider nicht. Mehr dazu findest du in diesem Artikel.

Doch nun kommt die große Frage, die sich auch bei meinen Kund:innen immer wieder stellt:

Wie definiere ich meine Zielgruppe?

Alle geschiedenen Frauen zwischen 28 und 46, die Kinder haben und Unternehmerinnen sind?
Alle glatzköpfigen Männer unter 50, die einen Labrador und einen Range Rover haben?

Hmmm … aus meiner Sicht wird’s so nix. Denn nicht alle Menschen in einem bestimmten Alter haben die gleichen Werte, Einstellungen, Probleme oder Wünsche. Und sie haben nicht einmal annähernd ähnliche Lebenssituationen!

Ein Blick in die demographische Zielgruppe

Schnappen wir uns doch mal das Vergrößerungsglas und sehen wir uns ein paar der besagten Damen mit den Eckdaten „geschieden, zwischen 28 und 46, mit Kindern und Unternehmerin“ an.


Henriette, 45, hat eine erwachsene Tochter, die von ihr finanziell unterstützt wird. Die Tochter, Nancy, macht im Ausland eine Ausbildung zur Unternehmensberaterin und hat vor, später ihrer Mutter in ihrem Immobiliengeschäft unter die Arme zu greifen. Henriette hasst ihren Exmann, einen Spieler, der sie mit Schulden in Millionenhöhe zurückgelassen hat, als er im Frühjahr des letzten Jahres überstürzt das Land verließ.

Dolores‘ Mann ist mit seiner zwanzig Jahre älteren Geliebten durchgebrannt. Die 29-Jährige hat zwei kleine Kinder, um die sie sich neben ihrer Tätigkeit als MLM-Schmuckverkäuferin kümmern muss. Geld ist sehr knapp in der Familie, und schon des Öfteren stand der Exekutor vor der Tür.

Agnes, 40, lebt mit ihrem kleinen Sohn und drei Hunden in einem Wohnwagen auf dem Grundstück ihres Exmannes, zu dem sie ein recht gutes Verhältnis hat. Sie handelt mit Keramikfiguren und legt jeden Cent zur Seite, um sich eine E-Gitarre kaufen zu können, weil sie den Traum hat, in einer Band mitzuspielen.

Erna, 35, ist Coach. Mit ihrem Mann verbindet sie eine innige Freundschaft – nur mit dem Zusammenleben hat es leider nicht geklappt. Die beiden Kinder leben bei ihm, weil sie die meiste Zeit des Jahres von einem Workshop im Ausland zum nächsten tingelt.

Was haben die Frauen gemeinsam – außer den demographischen Eckdaten?
Vermutlich wenig, und im „echten Leben“ würden sich ihre Wege kaum kreuzen.
Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Frauen ähnliche Werte, Einstellungen, Probleme oder Wünsche haben, ist eher gering oder kann sich nur durch Zufall ergeben.

So wird das wohl nichts.
Also schauen wir uns einen anderen Zugang an.

Für wen eignet sich das Produkt, in unserem Fall das Buch, wirklich? Wer hat den größten Nutzen davon?
Und wer kann die Botschaften in diesem Buch wirklich gut nehmen?

Tja, das kommt auf den Stil an.
Und jetzt?
Wir wissen nicht, welchen Stil wir schreiben wollen, weil wir nicht wissen, für wen.
Dumm gelaufen.
Lassen wir es doch einfach!

Oder …

… oder gehen wir es ganz anders an!

Die emotional Crowd

Mit welchen Menschen fühlst du dich im Alltag am wohlsten? Wenn du so tickst wie die meisten von uns, dann mit solchen, die ähnliche Werte haben wie du, ähnliche Grundemotionen, ähnliche Träume wie du hattest oder noch hast.

Wenn du ein Buch schreiben möchtest, um Kund:innen zu gewinnen, wäre es nicht schlau, sich Menschen zu suchen, mit denen du dich wohlfühlst? Die Wahrscheinlichkeit, dass auch sie sich bei dir wohlfühlen, ist relativ hoch – und schon wird das Arbeiten angenehmer und weniger aufwändig.

Menschen suchen Identifikation

Wie ist das bei dir, wenn du einen guten Roman liest? Kann es dir passieren, dass du reinkippst, dass du Stellung beziehst, dich in einer der Figuren wiederfindest? Ja? Gut! Wunderbar!

Dann haben wir beide schon eine gute Basis für unsere Überlegungen. Denn ich kann bei einem Buch – sorry, beim Lesen eines Buches! – ausflippen, weinen, lachen. Ich spüre mein Herz, lebe und fiebere mit. Wünsche mir einen möglichst positiven Ausgang.

Was hat das jetzt mit unserem Sachbuch zu tun?

Gute Frage! Verdammt viel, um genau zu sein. Denn auch ein Sachbuch darf berühren und bewegen. Nein, das soll es sogar, denn sonst ist irgendwas schiefgelaufen.

Es gibt noch immer Menschen, die meinen, dass ein Buch etwas Ernsthaftes, Seriöses sein muss. Dass man möglichst gestelzt daherreden muss, damit man einen guten Eindruck hinterlässt. Auch dann, wenn man eigentlich ganz anders ist. Weil, sonst …
Ja, was sonst?

Denken wir den Gedanken doch mal zu Ende.

Du schreibst ein Buch, genau in der Art, wie es sich gehört. So, dass es nach menschlichem Ermessen und statistischen Gesichtspunkten so viele Menschen wie möglich erreicht. Das willst du ja, oder?

Wer liest dein Buch?

Dieses Buch liegt nun – marketingtechnisch bestens abgesichert – in der Buchhandlung oder im Amazon-as.

Die einen sehen es scrollen oder gehen gleich weiter, weil ihnen die Aufmachung nicht gefällt. Zu Mainstream, das kennen wir alles schon. Die anderen machen einen echten oder virtuellen Blick ins Buch und stellen fest: Naja, ist sicher ein gutes Sachbuch. Aber davon gibt es viele. Naja, schaun wir mal, vielleicht kauf ich es irgendwann. Aber KLICK macht es nicht.

Und dann kommen die, denen genau das gefällt, die dein Buch kaufen. Und später auch dich buchen wollen. Deine Leistung in Anspruch nehmen wollen.

Die kommen jetzt zu dir, und erwarten sich … dich – so wie du dich ihnen in deinem Buch präsentiert hast.
Also so, wie du eigentlich nicht bist.
Weil du eben eine Menge Special Effects hast und nicht gerade bist wie alle anderen.

Nun hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du machst weiter einen auf seriös und ernsthaft – sehr anstrengend!
Oder du versuchst, sie davon zu überzeugen, dass du in echt eigentlich viel cooler bist.

Geht sicher.

Aber warum nimmst du nicht den einfachen Weg?

Wenn du von Haus aus weißt, wer du bist, wofür du wirklich stehst und welche Werte du vertrittst, kannst du all das in dein Buch einbauen – und die richtigen Kund:innen kommen automatisch zu dir! Die, die einen ähnlichen Humor haben, ähnliche Werte wie du. Die, mit denen Arbeiten Spaß macht.

Nicht alle geschiedenen Frauen zwischen 28 und 46, die Kinder haben und Unternehmerinnen sind.
Sondern die, die vielleicht ähnliche Visionen und Ziele haben wie du.
Die, die vielleicht dorthin kommen wollen, wo du stehst. Weil sie auf dem Weg ein paar Schritte hinter dir sind.
Die, mit denen du auch auf einen Kaffee gehen würdest, wenn sie nicht deine Kund:innen wären. Egal, ob sie geschieden sind, Männer oder Frauen, zwischen 28 und 46 oder älter oder jünger, Kinder haben oder nicht, Unternehmer:innen oder Angestellte oder Arbeitssuchende sind.
Die, denen das Herz höher schlägt, wenn sie an deine Geschichten denken, deren Augen leuchten, wenn sie dein Buch lesen.
Deine natürliche Fanbase.

Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass wir Menschen, die uns ähnlich sind, meist attraktiver finden. Dass wir uns in deren Nähe wohler fühlen. Die meisten von uns kuscheln am liebsten in ihrer menschlichen Komfortzone, gerade dann, wenn sie mit jemandem zusammenarbeiten oder jemanden beauftragen wollen. Je größer das Projekt, desto wichtiger ist es, dass man sich grün ist.

Zurück zum Buch!

Aber auch schon beim Lesen gilt: Wenn wir uns mit der Autor:in identifizieren, dann neigen wir eher dazu, bessere Rezensionen zu geben und das Buch zu empfehlen. Wir sehen leichter über Fehler hinweg und freuen uns, dass wir wieder jemanden gefunden haben, der mit uns in unserer Bubble sitzt. Und wenn wir von demjenigen noch etwas Neues erfahren können – umso besser!

Also: Mach’s dir leicht – sei du!

Es gibt eines auf der Welt, das du mit Sicherheit besser kannst als alle anderen: DU sein!

Also sei du, ziehe Menschen an, die zu dir passen – und rocke es!

Und nun: viel Spaß auf deiner Schreibreise!

Ach ja – solltest du Unterstützung brauchen bei der Selbstfindung, falls du deinen Mut unterwegs irgendwann unter einem „Ja, aber …“ begraben musst oder dich die Selbstzweifel in den Allerwertesten zwicken, dann kannst du mich sehr gerne für ein Buchcoaching, einen mehrstündigen Ziel-Workshop oder ein 1:1-Retreat buchen.